Paradoxon der Toleranz

Lucke in Hamburg. Natürlich sehen die Rechten gleich die Meinungsfreiheit angegriffen, und diese Sichtweise schafft es auch in Bundetag und Tagesthemen.

Dass Meinungsfreiheit ein Grundrecht gegenüber der Staatsgewalt ist und Lucke (fast) überall frei reden kann, ohne dass ihn ein Geheimdienst abholt – geschenkt.

Aber dass sich normale Leute gegen einen solchen perfiden Diskurs nicht wehren, das lässt tief blicken.

Tolerant kann man nur gegen Tolerante sein. Die Toleranz geht unter, wenn sie sich nicht intolerant gegen Intoleranz wehrt. Sieht man an den verhandlungen mit Putin. Der lacht sich eins und hält uns für dumm. Erinnert an Goebbels Aussage zu Meinungsfreiheit:

Wenn unsere Gegner sagen: Ja, wir haben Euch doch früher die […] Freiheit der Meinung zugebilligt – –, ja, Ihr uns, das ist doch kein Beweis, daß wir das Euch auch tuen sollen! […] Daß Ihr das uns gegeben habt, – das ist ja ein Beweis dafür, wie dumm Ihr seid!
Rede vom 4. Dezember 1935, zitiert nach Helmut Heiber (Hrsg.): Goebbels-Reden, Band 1, Droste, Düsseldorf 1971

Ausgehend von einem tweet von Andreas Hallaschka entfacht sich ein Shitstorm von aufrechten Bürgern, die sich in ihren Profilen so beschreiben:

Andreas Hallaschka: Evangelisch. Leidenschaft für Kultur, Reisen, Fussball, Politik. Religionen, Bücher und klassisch gute Musik, Kassel und ידיד ישראל

Weitere Verstärker:
– Here in favor of Democracy, too. .. Mag keinen Whataboutism.
– KeineGewaltGegenRetter
– konservativer Christdemokrat und Garant für die öffentliche Sicherheit auf der Suche nach mehr Vernunft und gesundem Menschenverstand.
– Informationshungrig, Peace for the world
– Millennial, Libertarian – Psychology, Technology, Geopolitics, Finance, Economics – Living by Golden Rule, Seeker of Truth, Allergic to Hypocrisy
– Follower of Christ Jesus | no Nazis, no AfD
– Für Austausch aber gegen Ausgrenzung bei Meinungsverschiedenheiten
– «Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann»
– psychoanalyst•feminist•liberal•catholic
– Realist, Naturfreund, Umweltbewusster empathischer Mensch
– besorgter Bürger
– konservativ, liberal, Rationalist, Ökofritze, Selberdenker

usw usw, also alles ganz harmlose, denkende Leute.

Der Kompass ist abhanden gekommen.

Ein Gedanke zu “Paradoxon der Toleranz

  1. Das Sprechverbote nur von staatlichen Strukturen ausgesprochen werden ist wo genau definiert?

    Wenn Lucke in Hamburg von Zivilisten (roten Knallerbsen) am reden gehindert wird, bedeutet dies zwar (wie richtig bemerkt wird), dass das Recht auf Meinungsäußerung (zumindest theoretisch laut Gesetz) besteht, ändert jedoch nichts daran, dass eben diese Evolutionsverneiner eben doch gegen freie Meinungsäußerung, totalitär, ja faschistisch eben handeln. Denn dass Antifa tatsächlich ein gemeinnütziger Verein sei, lass ich mal nicht durchgehen, da Pep ziehen wohl kaum als Sozialarbeit durchgeht. Und würden nun diese Vertreter des „aufrechten“ Deutschlands eben genau in diese Positionen von Polizei und Geheimdienst, in den Staatsdienst eintreten, ist sicher, dass Lucke künftig sehr wohl von staatlichen Strukturen abgeholt wird.

    Freie Meinungsäußerung heißt, es findet keine Moderation statt. PUNKT. Jegliches ABER … das folgt, leitet bereits eine Beschneidung von „frei“ ein. Ein Recht ist ein Recht PUNKT Ist das Recht jedoch erneut an ABERs gebunden, also an Bedingungen die eine Voraussetzung zur Berechtigung stellen, wird aus dem Recht lediglich ein Privileg. Und Privilegien können vergeben oder genommen werden, je nachdem ob man den anderen mag oder nicht. Und genau das ist es, was die Antifa in Hamburg tat, so wie es der Autokrat Putin in Russland mit Meinungen tut, die ihm nicht gefallen. Oder der hier herbeibeschworene Goebbels, der übrigens aus der kommunistischen Bewegung kam. Er definierte sich als Sozialist, sollte respektiert werden, denn deine Freiheit hört auf, wo seine Gefühle verletzt werden. Oder hat sich der Slogan bei euch Snowflakes inzwischen geändert? Doch im Gegensatz zur Antifa, ist speziell Lucke, als Verteidiger einer freien Marktwirtschaft alles andere als ein Sozialist. Lucke mit Sozialisten in einen Topf zu werfen, kann nur passieren, wenn: „Der Kompass ist abhanden gekommen.“ Oder man in einem roten Gewächshaus herangezüchtet wurde, gesäugt vom Steuergeld, und glaubt außerhalb des Sozialismus, gibt es nichts.

    Lucke war in seiner Zeit bei der AfD immerhin der einzige Europaabgeordnete, der für Sanktionen gegen Russland stimmte. Nun definiert er sich nicht mehr als AfD, das müsste man insbesondere in diesen Kreisen, wo man sich sein Geschlecht definieren kann, akzeptiert werden, schließlich hält man sich ja für das Paradebeispiel der Toleranz.

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